Im Winter zu Hause ohne Strom zu heizen und zu kochen erfordert mehr Vorbereitung als ein paar Kerzen und einen Campingkocher. Zunächst musst du wissen, welche Geräte tatsächlich ohne Steckdose funktionieren und wo du sie betreiben darfst. Gehe dabei Schritt für Schritt vor: vorhandene Wärme halten, sichere Kochmöglichkeiten prüfen und eine Ausweichunterkunft einplanen. Nicht jede Wohnung lässt sich bei einem längeren Stromausfall mit einfachen Mitteln weiter beheizen.
Was funktioniert beim Heizen ohne Strom im Winter?
Eine Gasheizung verbrennt zwar Gas, benötigt aber normalerweise Strom für Steuerung, Zündung und Umwälzpumpe. Ähnliches gilt für viele Ölzentralheizungen und Pelletöfen. Auch bei Fernwärme kann die Wärmeversorgung in der Wohnung von elektrischen Bauteilen abhängen. Ein vorhandener Brennstoff allein garantiert also noch keine warmen Räume. Prüfe die Bedienungsanleitung deiner Anlage. Wohnst du zur Miete, frage bei der Hausverwaltung nach, welche Funktionen bei einer unterbrochenen Stromversorgung ausfallen. Ob Heizen ohne Strom
, das Nutzen vorhandener Restwärme oder ein Wechsel in eine beheizte Unterkunft infrage kommt, hängt von der Ausstattung und den Bedürfnissen der Bewohner ab.
Ein bereits installierter und zugelassener Holzofen kann Wärme liefern, sofern er ohne elektrische Unterstützung arbeitet. Voraussetzung sind ein geeigneter Schornstein, ein ordnungsgemäßer Zustand und der Betrieb nach Anleitung. Verheize nur die dafür freigegebenen Brennstoffe. Verpackungen, lackierte Bretter und feuchtes Holz gehören nicht hinein. Eine fehlende Feuerstätte lässt sich während eines Stromausfalls auch nicht durch einen Ofen mit improvisiertem Abgasrohr am Fenster ersetzen.
In einer Wohnung ohne geeignete Feuerstätte kommt es zunächst darauf an, Wärmeverluste zu begrenzen. Schließe die Türen zu wenig genutzten Räumen und halte dich überwiegend in einem geeigneten Zimmer auf. Geschlossene Vorhänge und Rollläden helfen abends, die Wärmeverluste über die Fenster zu verringern. Vorgeschriebene Lüftungsöffnungen müssen jedoch frei bleiben. Zugluft unter einer gewöhnlichen Zimmertür kannst du mit einer zusammengerollten Decke vermindern.
Mehrere Kleidungsschichten, trockene Socken und Decken helfen dir, warm zu bleiben. Eine Raumheizung ersetzen sie nicht. Lege außerdem ein einfaches Thermometer bereit, das ohne Netzstrom funktioniert. Wie schnell eine Wohnung auskühlt, hängt unter anderem von der Außentemperatur, der Dämmung und ihrer Lage im Haus ab. Verlasse dich deshalb nicht auf eine feste Zahl von Stunden. Kläre vorher, bei wem du vorübergehend unterkommen kannst. Für Säuglinge, ältere Menschen und Personen mit besonderem Unterstützungsbedarf sollte diese Möglichkeit frühzeitig organisiert sein, nicht erst nach einer sehr kalten Nacht.
Ohne Strom kochen mit einem geeigneten Kochplatz
Beim Kochen ohne Strom
bestimmt der Aufstellort, welche Ausrüstung infrage kommt. Ein Campingkocher eignet sich nicht automatisch für die Küche. Viele Geräte sind ausschließlich für den Einsatz im Freien vorgesehen. Maßgeblich sind die ausdrückliche Freigabe des Herstellers sowie sämtliche Vorgaben zu Raumgröße, Belüftung und Abstand zu brennbaren Materialien. Fehlt eine eindeutige Freigabe für Innenräume, gehört der Kocher nicht in die Wohnung. Ein gekipptes Fenster macht aus einem Außengerät kein Innengerät.
Holzkohlegrills, Feuerschalen und Stromerzeuger mit Verbrennungsmotor dürfen niemals in Wohnräumen, Kellern oder Garagen betrieben werden. Dabei kann sich lebensgefährliches Kohlenmonoxid ansammeln. Das Gas ist weder zu sehen noch zu riechen. Auch ein geschlossener Wintergarten ist kein Ersatz für einen freien Außenbereich. Ein Kohlenmonoxidmelder mit eigener Batterie dient als zusätzliche Warnvorrichtung. Er macht einen unzulässigen Gerätebetrieb aber nicht sicher.
Hast du einen geeigneten Außenplatz, prüfe auch dort die Bedingungen. Der Kocher braucht einen festen, ebenen Untergrund und ausreichend Abstand zu Fassade, Geländer und brennbaren Gegenständen. Fluchtwege müssen frei bleiben. Auf Balkonen können die Hausordnung und örtliche Vorschriften den Betrieb einschränken. Stelle einen Windschutz nur so auf, wie es die Geräteanleitung erlaubt. Wird ein Gaskocher zu stark umschlossen, kann er überhitzen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn sich die Kartusche unter oder neben dem Brenner befindet.
Vor dem ersten Einsatz lohnt sich ein Probelauf bei Tageslicht und normaler Stromversorgung. Mache dich anhand der Anleitung damit vertraut, wie du die Kartusche anschließt, die Flamme löschst und das Gerät nach dem Abkühlen verstaust. Kinder und Haustiere bleiben vom Kochplatz fern. Lagere Brennstoff ausschließlich nach Herstellerangaben und den geltenden Vorschriften. Gibt es keinen zulässigen Kochplatz, ist ein Vorrat an verzehrfertigen Lebensmitteln die praktikablere Lösung. Eine improvisierte Feuerstelle im Wohnzimmer kommt nicht infrage.
Mahlzeiten planen und Brennstoff gezielt einsetzen
Für einen Stromausfall brauchst du keine aufwendigen Gerichte einzuplanen. Als Vorrat eignen sich zunächst Lebensmittel, die du ohnehin isst und die sich ungeöffnet ohne Kühlung lagern lassen. Dazu gehören beispielsweise Knäckebrot, Haferflocken, Nussmus sowie verzehrfertige Hülsenfrüchte und Gemüsekonserven. Beachte bei jedem Produkt die Angaben auf der Verpackung, auch zur Aufbewahrung nach dem Öffnen. Lege einen mechanischen Dosenöffner direkt zum Vorrat, damit du ihn nicht erst im Dunkeln suchen musst.
Wähle für warme Mahlzeiten Gerichte, die wenig Wasser und eine kurze Zubereitungszeit benötigen. Eine verzehrfertige Suppe muss meist nur erhitzt werden. Couscous lässt sich je nach Produkt mit heißem Wasser aufgießen und anschließend zugedeckt quellen. Trockene Bohnen müssen dagegen lange eingeweicht und gekocht werden. Für einen kleinen Notkocher sind sie deshalb wenig praktisch. Wenn keine zuverlässige Kühlung verfügbar ist, bereite nur so viel zu, wie unmittelbar gegessen wird.
Ein passender Deckel und ein auf die Flamme abgestimmter Topf vermeiden unnötigen Brennstoffverbrauch. Stelle die Flamme so ein, dass sie nicht seitlich am Topf vorbeischlägt. Halte dich dabei an die zulässige Topfgröße des Kochers. Sehr große Töpfe können bei manchen Geräten Wärme zur Kartusche zurückleiten. Stelle Zutaten und Kochutensilien vor dem Anzünden griffbereit. Einen brennenden Kocher darfst du niemals unbeaufsichtigt lassen, auch nicht, um kurz etwas aus dem Nebenraum zu holen.
Wie lange eine Kartusche reicht, lässt sich ohne Angaben zu Gerät, Leistung und Einsatzbedingungen nicht pauschal sagen. Wind, kaltes Wasser und lange Kochzeiten beeinflussen den Verbrauch. Notiere bei einem Probelauf, wie viel Brennstoff du für ein übliches Gericht benötigst. Zum Vorrat gehört außerdem ausreichend Trinkwasser für Getränke und die Zubereitung der Mahlzeiten. In einer gefüllten Thermoskanne kannst du heißes Wasser für später aufbewahren. Sie hält vorhandene Wärme, erzeugt aber keine zusätzliche. Plane ausdrücklich auch Mahlzeiten ein, die vollständig kalt gegessen werden können, falls du mehrere Tage lang keine sichere Kochmöglichkeit hast.
Gefährliche Improvisationen vermeiden und rechtzeitig gehen
Kerzen eignen sich nicht als Raumheizung. Auch Konstruktionen aus Teelichtern und umgedrehten Blumentöpfen ersetzen keine zugelassene Feuerstätte. Sie bringen offene Flammen und heiße Oberflächen in die Nähe von Möbeln, Kleidung und Decken. Verwende zur Beleuchtung lieber batteriebetriebene Leuchten. So bleibt der Tisch frei von offenen Flammen, auch wenn dort gegessen, gespielt oder mit dicken Decken hantiert wird.
Ein Gasherd oder Backofen darf nicht dazu zweckentfremdet werden, die Wohnung zu heizen. Die Zulassung zum Kochen macht ein Gerät noch nicht zur Raumheizung. Prüfe auch mobile Heizgeräte sorgfältig, statt dich allein auf die Aufschrift „funktioniert ohne Strom“ zu verlassen. Entscheidend sind die Zulassung für den vorgesehenen Innenraum, die erforderliche Luftzufuhr und alle weiteren Betriebsbedingungen. Kannst du diese Vorgaben nicht erfüllen, scheidet das Gerät aus.
Bei einem Alarm des Kohlenmonoxidmelders oder einem Verdacht auf Abgase im Raum müssen sämtliche Anwesenden unverzüglich das Gebäude verlassen. Warne andere, ohne dich selbst zu gefährden, und rufe von draußen die 112. Gehe nicht zurück, um nach der Ursache zu suchen. Durch eine Geruchsprobe lässt sich Kohlenmonoxid nicht ausschließen. Bei Gasgeruch darfst du außerdem keine elektrischen Schalter betätigen und keine Flamme entzünden. Benutze auch das Telefon erst außerhalb des Gebäudes. Die Ursache müssen Fachkräfte abklären.
Lege für einen notwendigen Ortswechsel eine kleine Tasche bereit. Hinein gehören warme Kleidung, benötigte Medikamente, Ausweise, eine Taschenlampe, Trinkwasser und die wichtigsten Telefonnummern auf Papier. Sprich mit Angehörigen oder Nachbarn ab, wer beim Verlassen der Wohnung Unterstützung braucht. Ein fest vereinbarter Treffpunkt hilft, wenn Telefonate nicht möglich sind. Erkundige dich bei deiner Gemeinde vorab nach vorgesehenen Anlaufstellen für längere Ausfälle und notiere, wie du dorthin gelangst. Sobald sich die Wohnung für ihre Bewohner nicht mehr ausreichend warm halten lässt, wechsle in die vorbereitete Unterkunft, statt mit zusätzlichen Flammen zu experimentieren.